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Think global, act local – das Erfolgsrezept für Rumänien?
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Während Rumänien bis vor wenigen Jahren als wirtschaftlich schwache Region Europas angesehen wurde, vollzieht es derzeit eine der beeindruckendsten Reformen der europäischen Wirtschaftsgeschichte.

VON DR. FRITZ AUDEBERT

Hohe Wachstumsraten, stabile Rahmenbedingungen und die steigende Kaufkraft der Bevölkerung schaffen hervorragende Voraussetzungen für Investoren. Wie unterscheiden sich Rumänen von anderen europäischen Völkern? Die Geschichte Rumäniens ist stark von einer autoritären Kontrolle geprägt. Rumänien war schon immer ein Land mit einer Bauerngesellschaft, in der die meisten Menschen durch Feudalverpflichtungen an ihre Herren gebunden waren. Macht hatte in Rumänien eine Elite, die größtenteils in ihrem eigenen Interesse gehandelt hat. „Jahrhundertelang beherrschten Bürokratie, Zwang und Kontrolle das Leben der rumänischen Bevölkerung – dies macht sich noch heute im Verhalten vieler Rumänen bemerkbar“, erklärt Doris Buchner, Leiterin des Assignment Management Teams der ICUnet. AG in Frankfurt.

Gesellschaft: Kollektivismus versus Individualismus
Während der kommunistischen Zeit waren das Arbeitsleben und die Arbeitskultur sehr kollektivistisch geprägt, individuelle Entwicklung wurde wenig gefördert. Jugendfürsorge, Sozialfürsorge, Gesundheitswesen, Unterkunft und weitere Dienstleistungen hatten einen hohen Stellenwert. Der in rumänischen Organisationen und Institutionen vorherrschende patriarchalische Führungsstil bringt jedoch große Verantwortlichkeit seitens der Führung mit sich. „Generell spielen in Rumänien persönliche Beziehungen eine zentrale Rolle: Wenn Angehörige des Mitarbeiters krank sind, hilft der Chef schon mal mit guten Kontakten zu Ärzten aus“, macht die gebürtige Rumänin deutlich.

Think global, act local
Dieses Sprichwort suggeriert dem internationalen Arbeiter, egal ob er im Management oder im operativen Bereich tätig ist, global zu denken, aber lokal nach den Sitten und Traditionen des jeweiligen Landes zu handeln. Handeln allein reicht jedoch nicht immer aus: „Man muss sich über das Lokale Gedanken machen und Kenntnisse darüber sammeln“, erklärt die interkulturelle Beraterin. „Besonders Kenntnisse des Einflusses der Nationalkultur auf die organisatorischen Prozesse eines Unternehmens sind essentiell, um eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung aufzubauen.“

Hierarchieverständnis: Der richtige Umgang mit Mitarbeitern
Hierarchie hat eine große Bedeutung in Rumänien. Aus diesem Grund wird generell erwartet, dass wichtige Entscheidungen vom Chef getroffen werden und dieser auch die Verantwortung dafür übernimmt. Die Angestellten erwarten ebenso, dass sie kontrolliert werden und ihnen gesagt wird was sie zu tun haben. Somit sind häufigere und genauere Instruktionen von oben notwendig. Im Hinblick auf das starke hierarchische Denken in Rumänien, wäre es sicher zu empfehlen, wenn sich zwei Teilnehmer mit dem gleichen Rang direkt gegenüber sitzen. Durch die Verringerung der räumlichen Distanz entsteht häufig auch persönliche Nähe, was den Prozess der Entscheidungsbildung erleichtern kann.

Flexibles Zeitmanagement
In Rumänien ist ein moderates Zeitverständnis bei dem Flexibilität gefordert wird üblich, weil Deadlines und Zeitpläne nicht immer strikt eingehalten werden. „Auf der einen Seite wirkt Rumänien manchmal unstrukturiert und chaotisch, auf der anderen Seite sind die bürokratischen Wege jedoch lang und erfordern viel Geduld“, beschreibt Buchner. Besonders wichtig ist in Rumänien Pünktlichkeit: Vor allem zu Terminen und Besprechungen sollte man immer pünktlich erscheinen, „andernfalls könnte der Eindruck entstehen, dass man unzuverlässig ist oder selbst wichtiger als der Geschäftspartner ist“, erklärt die Rumänienexpertin.

BU: Der rumänische Präsidentenpalast in Bukarest
Bild: Volkmar Gorke - Fotolia.com

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