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Hülsen, die eine tragende Rolle spielen
[WMW002733]
UNVERZICHTBAR - Die Firma Sonoco in Lauda stellt ein wichtiges Industriezwischenprodukt aus Papier her

Von Timo Lechner

Lauda. Hartpapierhülsen oder Hartpapierkerne – Dinge, auf die man verzichten könnte? Wohl kaum, wenn der Transport von Papier, Textilien, Folien, Metall oder Kunststoff astrein funktionieren soll. Wie würden Zeitungsdruckereien ihr Papier nur in eine Maschine bekommen, wenn dieses nicht aufgewickelt wäre? Und auch an die Röhre mit den Chips oder das Maggi-Döschen hat man sich ja mittlerweile gewöhnt.

Industriezwischenprodukt
Über die Herkunft solcher Werkstücke macht sich freilich kaum jemand Gedanken. Herbert Ehnes allerdings schon. Er ist Betriebsleiter der Firma Sonoco in Lauda, die solche Hülsen produziert. Und damit ein Industriezwischenprodukt, das auf den ersten Blick so unscheinbar wirkt, aber doch aus dem Alltag nicht wegzudenken ist. Verpackung bezieht sich nicht nur auf eine Hülle um ein Produkt, sondern wie in diesem Fall ein Aufnahme bzw. Trägermaterial.

Der Siegeszug der Papierhülse begann Ende des 19. Jahrhunderts in South Carolina, in den USA. Mit der Industrialisierung waren auch neue Fragestellungen aufgekommen. Beispielsweise, wie man Materialien in großen Mengen aufrollt und weiter versenden kann, und zwar so, dass der Stoff dabei nicht beschädigt wird. Zuerst wurden Baumwollfäden auf konische Holzspunde aufgewickelt. Dies erwies sich langfristig als zu teuer, deshalb wurde die Idee umgesetzt, diese Holzteile durch konische Papierhülsen zu ersetzen. Diese Entwicklung wurde in über 100 Jahren in unterschiedlichsten  Industriebereichen sowie mit verschiedenen Materialien erfolgreich weiterverfolgt.
Eine Idee, die sich so durchgesetzt hat, dass Sonoco mittlerweile weltweit über 300 Werke in der ganzen Welt betreibt.

Fünf gibt es in Deutschland, eines davon sitzt in Lauda und beschäftigt rund 30 Mitarbeiter. Die haben als Basiswissen unterschiedliche handwerkliche Berufe erlernt und sind in der Firma auf die Spezialmaschinen - teilweise firmeneigene Kreationen - eingelernt worden.

Und blickt man in die Werkshallen bei Sonoco in Lauda fällt einem schnell auf, das hier eine sehr spezielle Arbeit verrichtet wird. Hier werden bis zu elf Meter lange und dickwandige Hartpapierkerne aus Hülsenwickelkarton hergestellt. Dieser Wickelkarton kommt überwiegend von firmeneigenen Papierfabriken aus Skandinavien, Deutschland, Frankreich  und Italien.

100 Prozent Altpapier
Schicht um Schicht wird Papier über ein ausgeklügeltes System geführt, mit Klebstoff benetzt und über einen Wickeldorn zu einer spiralförmigen  Hülse gewickelt.

Am Ende hat man eine lange, harte und robuste Röhre, die dann je nach Bestimmung entsprechend nachbearbeitet wird. Die hergestellten Hartpapierkerne unterscheiden sich, nach Festigkeit, Dimension und werden im Detail auf die jeweilige Kundenspezifische  Anforderung angepasst. Im Werk Lauda werden überwiegende Hülsen für die Papierindustrie sowie teilweise für die Folienindustrie hergestellt. „Der eingesetzte Wickelkarton ist zu hundert Prozent aus Altpapier hergestellt, das nach der Verwendung wieder recycelt wird“, so Ehnes weiter.

Beliefert werden überwiegend Stammkunden die beispielsweise wie in der Papierbranche an sieben Tagen 24 Stunden produzieren und auf eine hundertprozentige Liefersicherheit angewiesen sind, deshalb ist Flexibilität und Liefersicherheit absolut notwendig.

Umzug nach Grünsfeld
In Lauda wird im Ein-Schicht und wenn nötig im Zwei-Schicht- Betrieb gearbeitet. An den Maschinen sitzen allesamt Fachkräfte, die sehr flexibel  im Team arbeiten müssen „Wir erhalten unsere Aufträge in der Regel zwei bis fünf Tage im Voraus“, schildert Ehnes die Situation. Das bedeutet, dass sich auch die tägliche Arbeitszeit kurzfristig verlängern kann – und dass alle miteinander gut zusammenarbeiten müssen, falls recht kurzfristig ein Auftrag ins Haus flattert. Aber das ist kein Problem für die eingespielten Mitarbeiter und wird im Werk Lauda schon mehr als 20 Jahre erfolgreich umgesetzt.

Das Geschäft mit den Hülsen ist ein recht krisensicheres. Und eines, das Zukunft hat. So kommen auch auf Sonoco immer wieder neue technische Anforderungen zu, was die Laudaer Firma jetzt zu einem neuen Schritt bringt: Ab dem Frühjahr 2011 will man die neuen Firmenräume im Grünsfelder Gewerbegebiet Waltersberg beziehen. Dann wird auf 11000 statt auf bislang 6000 Quadratmetern produziert.

„Der Umzug wurde notwendig, weil wir eine neue Produktlinie erhalten, um den  weiterentwickelten technischen Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.“, erklärt Ehnes. Eine zeitlang werde dann an zwei Plätzen gleichzeitig gearbeitet, bis dann voraussichtlich zum Ende des Jahres 2011 nur noch in Grünsfeld produziert wird. Am Standort Lauda wäre es nicht möglich gewesen, diese Pläne umzusetzen: Dort ist man zwischen Tauber, Bahn, Naturschutzgebieten und den direkten Nachbarn eng begrenzt.

Bild: Timo Lechner

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