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Der Audi aus dem Waffeleisen
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BEGEGNUNG – Audi macht aus Neuwagenabholungen und Werksführungen in Neckarsulm ein Erlebnis.

Von Jérôme Umminger

Schier endlose Meter zieht sich die Kreisstraße 2000 vorbei an den Werkstoren der Audi AG in Neckarsulm. Im Minutentakt rollen hier Traumwagen vom Band. Die A8, die R8 und wie sie alle heißen. Dann plötzlich taucht ein futuristisch anmutendes Gebäude auf. Das Audi Forum. Gläserne Front. Silbernes Runddach. Für viele eine wahre Traumfabrik. Für Neuwagenabholer sind Werksführungen dort obligatorisch, aber auch Interessierte können teilnehmen. Der Tag beginnt im Sternerestaurant "Nuvolari". Das Hirschragout an Kürbis-Spätzle lässt einem schon beim Anblick das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ein süßes Ananas- Pfirsich-Dessert bildet den fruchtigen Abgang. 

Modernstes Presswerk
Es ist ein regnerischer Montag Mitte November. André Lugert von der Fahrzeugauslieferung führt eine kleine Gruppe junger Männer durch das Werk. Der Startschuss fällt im wohl modernsten Presswerk Europas. Von 2007 bis 2009 wurde es für rund 110 Millionen Euro modernisiert. "Hier ist kein Stein auf dem anderen geblieben", sagt er. Die Ausmaße des Presswerks sind gewaltig. Ein Blick unter das 30 Meter hohe Hallendach lässt eine durchschnittliche Sporthalle geradezu winzig erscheinen. Im Sekundentakt stanzt die 80 Meter lange Presse Türen aus Aluminium. Trotzdem ist es vergleichsweise ruhig, denn die Presse erfüllt höchste Standards an Lärmschutz und Schalldämmung. Verträumt blickt einer der Besucher ins Werk, sein freudiges Lächeln verrät seine Begeisterung. "Sie funktioniert wie ein Waffeleisen", erklärt Lugert anschaulich. 800 Tonnen Stahl und Aluminium werden hier täglich verarbeitet. Ein Audi-Mitarbeiter quert den Weg der Besuchergruppe auf einem Fahrrad. Dann geht es durch eine unscheinbare Tür zum Karosseriebau. 

Wie von Geisterhand

Rund 1 200 Roboter-Arme sind im gesamten Werk im Einsatz. Wie von Geisterhand schweißen sie hinter zentimeterdicken Plexiglasscheiben die Karosserieteile aus dem Presswerk zusammen. Während die Maschine läuft, haben Mitarbeiter hier keinen Zugang. Sicherheit hat obers - te Priorität. Zu Fuß geht es rüber in die Montage des Audi A8. Einem fast schon historischen Gebäudetrakt von Audi in Neckarsulm, denn hier wurden schon der NSU Ro 80 und der Audi 100 produziert. Der Nieselregen stört nicht. Die Eindrücke aus dem Presswerk und dem Karosseriebau sind noch viel zu präsent. "Wenn das Gebäude sprechen könnte, hätte es sicher viel zu erzählen", sagt André Lugert. Sein Traumwagen ist der Audi R8 GT. 560 PS, von null auf 100 in 3,6 Sekunden, limitiert auf 333 Exemplare. In Acht- bis Zwölf-Mann-Teams verbinden die Audi-Mitarbeiter den Motor mit dem Getriebe. Auf dem rechten Band schwebt die Karosserie daher und wird bestückt. Der erst dieses Jahr neu gestaltete Besucherweg führt die Teilnehmer mitten durch die Montage des Audi- Flaggschiffs, dem A8. Der Besucher wird so zu einem Teil der Produktion. "Nicht viele Hersteller bieten Werksführungen an", weiß Lugert. 

Die Hochzeit
Allmählich wird das Auto immer deutlicher erkennbar. Und dann folgt er, der große Moment. Ganz vorne am Ende der ersten Bänder erfolgt die "Hochzeit". "Nun werden sie Trauzeuge eines Audi A8", instruiert Lugert die Besuchergruppe liebevoll. Ganz langsam fährt der Motor mitsamt den Achsen auf einem FTS (Fahrerloses Transport System) daher. Vom linken Band zum rechten rüber. Es sieht aus wie ein überdimensionales Skateboard. Und dann wird vermählt. Nämlich der Motor und die Achsen mit der Karosserie. Sechs Minuten darf dieser Vorgang dauern, nicht länger. "Diese Hochzeit hält ein Leben lang", unkt Lugert. Auf dem dritten und letzten Band lernt der A8 schließlich "laufen". Hier werden die Räder montiert. Steht er dann erstmals auf eigenen "Füßen", kontrollieren die Mitarbeiter nochmal, ob alles in Ordnung ist: Türen, Spaltmaße sowie die Lackoberfläche und auch die Fahrzeugfunktionen. Denn schließlich muss jeder der rund 140 Audi A8, die täglich produziert werden, perfekt sein. 

Das Beste kommt zum Schluss
Für Besuchergruppen endet die Werksführung anschließend im Audi Forum. Für Neuwagenabholer folgt nun der Höhepunkt des Tages. "Herzlichen Glückwunsch, das ist jetzt ihrer", sagt Lugert. Der stolze Besitzer setzt sich zum ersten Mal in seinen neuen Audi und hört nicht auf, das Lenkrad zu streicheln. Dann drückt er zum ersten Mal das Gaspedal und entschwindet nun selbst auf der K2000. "Natürlich ist der Aufwand enorm", sagt Michael Bauer, Leiter der Fahrzeugauslieferung in Neckarsulm. Aber er weiß auch warum Audi einen solchen Aufwand betreibt: "Wir dürfen unsere Kunden bei einem ihrer schönsten Tage im Leben begleiten und machen ihnen die Marke Audi erlebbar. Außerdem glauben wir, dass es sich lohnt: In Form von loyalen und zufriedenen Kunden." 

Info: DAS AUDI FORUM NECKARSULM
Das Audi Forum Neckarsulm bietet auf mehr als 10 000 Quadratmetern reichlich Platz für die Neuwagenauslieferungen, eine Audi-Modellausstellung, Veranstaltungen, das Restaurant Nuvolari sowie die Fahrzeugberatung der quattro GmbH. Seit der Eröffnung im Jahr 2005 zählt es heute schon über 800 000 Besucher. Allein letztes Jahr wurden dort mehr als 25 000 Neuwagen übergeben. Insgesamt haben dort bereits über 130 000 Abholer ihren neuen Audi bekommen.  

Bildtext: Auf dem Besucherweg lernen die Gäste alle technischen Finessen des Audi A8 kennen. Hier den Leichtbau.
Bildquelle: Audi


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