

VON ANNETTE WENK
Auf dem Tisch im Besprechungszimmer steht eine Flasche Mineralwasser, was zunächst ja nicht ungewöhnlich ist. Ganz nebenbei ist sie aber Teil eines kleinen Versuchsaufbaus. Die zweite, zentrale Rolle neben dem Mineralwasser spielt eine graue Masse, die sich als hocheffizienter Dämmstoff entpuppt. Es ist ein mikroporöses Material auf der Basis von Kieselsäure, wie Peter Wohlleben, Geschäftsführer der Confira Werkstoff GmbH, erklärt. Es ist hervorragend zur Wärmedämmung von Temperaturen bis zu 1.000°C geeignet und wird seit vielen Jahren von der Partnerfirma Contherm Wärmedämmsysteme GmbH in Neuenstein zum Einsatz gebracht. Achim und Elisabeth Wohlleben, die Eltern des heutigen Firmenchefs, haben Contherm im Jahr 1985 gegründet. „Contherm ist Händler und Verarbeiter verschiedenster Hochtemperatur- Dämmstoffe“, erklärt Peter Wohlleben. „In der Confira haben wir jetzt auch das technische Know-how, um eigene Werkstoffe zu entwickeln und zu produzieren.“
Ausgezeichnet
Mikroporöse Dämmstoffe auf der Basis von pyrogener Kieselsäure hatten bislang einen gravierenden Nachteil: sie nehmen sehr stark Feuchtigkeit auf. Formstabilität und Dämmwert gehen dabei verloren. In bestimmten Umgebungen lässt sich das Material also nicht einsetzen. Jetzt kommt bei Peter Wohllebens Ausführungen die Sprudelflasche ins Spiel. Er nimmt eine flache Glasschale, füllt sie mit Wasser und legt ein Stück graues Material hinein. Es saugt sich sofort mit der Flüssigkeit voll und zerfällt anschließend. Das war der herkömmliche Dämmstoff. Beim nächsten Versuch kommt ebenfalls ein graues Stück Material in die Schale, das sich äußerlich in nichts unterscheidet. Es bleibt jedoch trocken, das Wasser perlt ab. So einfach lässt sich die Neuentwicklung demonstrieren, die im Jahr 2011 mit dem Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg in der Kategorie „Sonderpreis für junge Unternehmen“ ausgezeichnet wurde. „Wir wurden durch die IHK auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht“, verrät Peter Wohlleben. Das neue Material ist gegenüber Wasser absolut unempfindlich oder im Fachterminus „hydrophob“, Wasserdampf lässt es jedoch durch.
Nanotechnologie eingesetzt
Die Firma Confira wurde von Peter Wohlleben und Thomas Eyhorn im Jahr 2009 gegründet. „Rechtzeitig zum Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise.“ Die erwies sich aber sogar als Vorteil. Die Mitarbeiter von Contherm konnten zeitlich auch in der neuen Firma eingesetzt werden. „Wir hatten jede Woche einen Tag, an dem wir experimentiert haben.“ Der Anstoß zur Entwicklung des hydrophoben Materials kam von Dr. Günter Kratel. Der ehemalige Entwicklungsleiter für pyrogene Kiesel - säure bei der Wacker Chemie kam auf die beiden jungen Gründer mit seiner Idee zu. Er hatte ein Verfahren entwickelt, dem bisherigen Dämmstoff durch Nano tech no lo gie hydrophobe Eigenschaften zu verleihen. Die Marktchancen waren gut. Schnell war klar, dass der Schwerpunkt des neuen Unternehmens das hydrophobe Material sein würde. „Nach dem Input von Dr. Kratel und ersten erfolgreichen Tests haben wir eine Anlage aufgebaut“, sagt Peter Wohlleben. Dr. Günter Kratel stieg als Partner in das Unternehmen mit ein. Das neu entwickelte Material überzeugt nicht nur durch seine wasserabweisende Qualität. Durch seine sehr guten Dämmeigenschaften (0,019 W/mK) ermöglicht es die Entwicklung von schlanken, hoch effizienten Dämmsystemen. In der Gebäudedämmung trägt es zur Steigerung der Energieeffizienz bei gleichzeitigen Brandschutzeigenschaften bei. Das macht es besonders interessant für Innendämmsysteme. Bei Contherm wird es bereits in den bisherigen industriellen Anwendungen wie der Dämmung von Transportbehältern für flüssiges Aluminium eingesetzt.
Bild: Preisverleihung (von links): Johannes Schmalzl, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Stuttgart, Dr. Günter Kratel und Peter Wohlleben von der Confira Werkstoff GmbH, Dr. Nils Schmid MdL, Stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-Württemberg sowie Guy Selbherr, Geschäftsführer MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH.
(Foto: Susanne M. K. Baur)
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